So also sieht sie aus, die MS "DEUTSCHLAND"

So also sieht sie aus, die MS "DEUTSCHLAND"
Seht Ihr "unsere" Kabine? Ich habe sie markiert.

Donnerstag, 11. März 2010

03.03. 3. Bericht Auf dem Amazonas

Unsere Fahrt auf dem Amazonas

Von Belem aus starten wir zunächst wieder in Richtung Atlantik, um nördlich von Marajo in die Amazonasmündung hineinzufahren. Marajo ist die größte Flussinsel der Erde. Sie ist größer als die Schweiz. Eine Besonderheit ist ihre berittene Polizei Sie kommt nicht mit Pferden daher, sondern mit Bullen. Wie es dazu kam? Vor knapp einem Jahrhundert ist am Strand von Marajo ein Viehtransporter beladen mit Bullen aus Südostasien gestrandet. Einige der Tiere haben sich an Land retten können und dort vermehrt. „Ja, sie sind langsamer als Pferde, haben aber viele andere Vorteile,“ erzählt uns Jose. Er war einige Zeit auf der Insel eingesetzt. „Sie sind weniger agressiv, lassen sich einfacher anleiten, sind folgsamer und ausdauernder und verweigern nicht vor tieferen Gewässern wie Pferde.“ Die Bullen kommen, auf Marajo stimmt das.

Und dann gleiten wir flußaufwärts auf dem Amazonas. Die Flussoberfläche ist ruhiger als das Meer, wir scheinen durch die Landschaft zu schweben. Die bewaldeten Ufer kommen bis auf 20 m an uns heran und weichen wieder zurück, kilometerweit manchmal. Das ist kein Regenwald. Der beginnt erst hinter Manaus, 1000 km westlich von hier. Der Amazonas hat sich sein Bett so gestaltet, wie er es für den Transport der enormen Wassermassen benötigt und nimmt dabei viele Sedimente mit. Deshalb sieht das Wasser gelb aus, hellgelb-ockerfarben, wenn die Sonne darauf scheint, dunkel-graubraun im Schatten. Trüb ist es immer

Ab und zu sehen wir Bewohner kleiner Siedlungen oder einzeln gelegener Häuser mit ihren einfachen Kanus auf uns zurudern, nur, um uns zuzuwinken. Solche großen weißen Kreuzfahrtschiffe kommen selten vorbei. Das ist dann schon eine Sensation. Und vielleicht fällt ja auch noch etwas Brauchbares herunter. Es sind nicht viele Schiffe unterwegs; ein paar Lastkähne und ein militärisches Patroullienboot zeigen sich und nur wenige der für den Amazonas typischen Holzschiffe. „Dieses Gebiet ist zu dünn besiedelt. Wenn wir uns Manaus nähern , ändert sich das“, erzählen uns Passagiere, die schon einmal dort waren.

Amazonien

Stellen Sie sich vor, Sie liegen unter Bäumen am Strand und der Sand ist weiß und fein, das Wasser klar und grün, es ist 28 Grad warm. Und dann stehen Sie auf und gehen zur Abkühlung hinein und das Wasser ist süß.


Spätestens jetzt merken Sie, dass Sie gar nicht am Meer sind, sondern an einem Nebenfluß des Amazonas. In unserem Fall ist das eine kleinen Insel im Tapajos, einem Nebenfluss des Amazonas. Zusammen mit dem ist er hier so breit, dass am Horizont gerade noch ein schmaler Streifen Wald auszumachen ist.

Auf der Fahrt auf dem Amazonas wurde an dieser Stelle ein Stopp eingelegt. Wir haben sowohl Gelegenheit für ein Bad als auch dazu, ein wenig das Leben der Menschen kennen zu lernen, die wir vorher ja nur von Weitem gesehen haben. Es sind die Indianer, die hier in ihrem angestammten Gebiet in kleinen Siedlungen traditionell vom Wasser, am Wasser, auf dem Wasser und mit dem Wasser leben, schätzungsweise 300.000 sind es heute wieder. Ihr Lebensraum ist der Amazonas mit seinem Einzugsgebiet. Verglichen mit Europa reicht es von Portugal bis zum Ural. 1000 Nebenflüsse speisen ihn, offiziell, denn alles, was schmaler ist als 50 m, wird erst gar nicht registriert.


Die Jahreszeiten sind nicht wie bei uns Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sondern Trockenzeit und Regenzeit. Von Juli bis November scheint nur die Sonne. Danach beginnt es zu regnen, nicht ständig, aber wenn dann sehr heftig. Der Wasser steigt um 6 - 8 m, teilweise sogar bis zu 15 m. An den Uferbäumen kann man den Pegelstand ablesen.

Das wissen die Indianer und haben für den Bau ihrer Unterkünfte zwei Strategien entwickelt. Sie errichten ihre Bauten entweder als Pfahlbauten auf Stelzen. Wenn die Flut doch einmel höher steigt, stockt man einfach auf. Ein halbes Jahr später zieht man dann wieder nach unten. Oder man legt ein schwimmendes Fundament aus Baum-stämmen. Die halten 30 - 40 Jahre. Darauf wird das Haus errichtet. Das schwimmende Toilettenhäuschen, die schwimmende Hundehütte und die schwimmende Terasse folgen. Und wer etwas auf sich hält, funktioniert das altersschwache Kanu um in einen schwimmenden Kräutergarten. Möglichst direkt unter dem Küchenfenster, damit alles mit einem Griff erreichbar ist. Fensterscheiben sind unbekannt, denn wie überall in tropischen Gebieten gibt es nur zwei Temperaturen: heiß und sehr heiß, mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Grundnahrungsmittel sind Fisch und Maniok. Im Amazonas leben etwa 1100 Fischarten, angefangen vom wohlschmeckenden Pyranha über den schönen, schwarz-weiß gemusterten Tigerwels bis hin zum größten, dem bis zu 150 kg schweren Tambaki.

Maniok gehört zum Essen wie in Asien der Reis oder bei uns die Kartoffel. Aber es ist ein aufwendiges Verfahren, bis es verzehrbereit auf dem Tisch steht. Jeder baut ein kleines Stückchen Land mit Maniokpflanzen an, manchmal kommen auch noch Mais und Zuckerrohr hinzu. Vieh ist selten zu sehen, ab und zu Hühner, manchmal Ziegen und wer eine Kuh sein eigen nennt, kann stolz sein und ist reich.

Fett und Vitamine liefert der Wald, Palmen und Paranussbäume zum Beispiel und viele Früchte. Einige davon kenne ich, wie Mangos, Limonen, Papayas, Bananen, aber auch Kaffee, Kakao, Kalebassen, Brotfrucht. Alle Fruchtsorten kann ich nicht aufzählen, ihre Namen sind mir zu fremd, aber sie bzw. ihr Saft schmecken sehr gut.




Enttäuscht sind wir, dass nur wenige Tiere zu sehen sind, kleinere Vögel zumeist. Aber wo sind die anderen, die winzigen Kolibris, die bunten Papageien oder die Tukane mit ihrem farbigen Riesenschnabel? Oder die Ameisenbären, Faultiere, Affen und Schlangen? „Ganz einfach“, erklärt uns Dr. Wagner bei einer Führung, „der Wald, ihr Rückzugsgebiet, ist schlicht zu groß. Sie sind scheu, ziehen sich schnell dorthin zurück und können sich ausgezeichnet tarnen. Viele leben auch in den Baumwipfeln in 40, 50 m Höhe. Auf diese Entfernung entdeckt man sie nicht mehr.“


Manaus



Die Hauptstadt der Provinz Amazonien ist der Endpunkt unserer Amazonasfahrt. Sie hat trotz ihrer fast 2 Mio Einwohner nur vereinzelt Hochhäuser. Das reicht nicht für eine beeindruckende Skyline. Aber wir verzichten gern auf diesen Anblick, den wir von anderen Großstätdten kennen. Wir erfreuen uns lieber an dem Blick auf die recreos und das bunte Leben und Treiben darum herum. Das ist ÖPNV auf amazonisch. Recreos sind die für den Amazonas typischen zweistöckingen, bauchig-ovalen Schiffe. Sie liegen wie Perlen aufgereiht an den schwimmenden Anlegern oder steuern gerade auf diese zu. Traditionell sind sie aus Holz gebaut und überwiegend weiß-hellblau, aber auch weiß-rot oder weiß-grün angestrichen. Sie übernehmen in diesem riesigen Gebiet ohne Straßen und Schienen den Transport von Menschen und Gütern. Allerdings ohne Sitzplätze. Dafür bringt jeder die eigene Hängematte mit für die bis zu 15-tägige Touren und erscheint gern ein bißchen früher, um den besten der nach Geschlechtern getrennten Plätze zu ergattern..






Das Wetter meint es auch sehr gut mit uns, es sind mollige 30 Grad und regnet nicht. Sogar das Wasser ist klar und schimmert uns im Sonnenlicht nicht mehr lehmfarben entgegen, sondern blau, fast wie der Atlantik. Aber das liegt daran, dass wir morgens um 6:00 Uhr, als ich noch schlief, den Amazonas verlassen haben. Die letzten 11 km bis Manaus sind wir auf dem Rio Negro gefahren. Sein Wasser ist relativ klar und humusig-braun. Man nennt es Schwarzwasser. Der Rio Negro ist einer der beiden Quellflüsse des Amazonas. Den Amazonas hatten wir bisher anders erlebt, gelb und trüb. Diese Farbe hat er von seinem anderen Quellfluss, dem aus den peruanischen Anden kommenden Solimoes, der viel gelösten Schlamm und Schwebstoffen mitbringt. Sein Wasser heißt Weißwasser.



Mit einem Ausflugsboot fahren wir zu der Stelle, an der der Amazanos brasilianisch-offiziell beginnt. Dort erleben wir ein einmaliges Naturereignis. Nur hier im Amazonasgebiet kann man beobachten, wie das Wasser zweier Ströme bis zu 15 km in einem Flußbett nebeneinander her fließt, ohne sich zu vermischen. Es ist das berühmte encontros das aguas und hat seine Ursache in der unterschiedlichen Temperatur, Zusammensetzung und Fließgeschwindigkeit der beiden Flüsse.





Das beeindruckendste Gebäude von Manaus ist das Teatro Amazonas, die elegante Oper. Eröffnet wurde sie 1896, quasi mitten im Urwald. Es war die Zeit des Kautschukbooms mit seinem unermesslichen Reichtum für die Plantagenbesitzer. (Noch heute wird erzählt, dass die Wäsche damals nach Lissabon geschickt wurde, hier in dem dreckigen Wasser könne sie ja nicht sauber werden.) Wie auch in Belem endete der Reichttum abrupt mit dem Ende des Kautschuk-Monopols. Das teatro wurde inzwischen renoviert und steht wieder im Mittelpunkt der Opernwelt Brasiliens.



Während unserer Besichtigung probte gerade das Orchester und wir wurden Zeugen einer kleinen Sensation: zu unserer Gruppe gehörten auch Annette Linke, Sopran, und Diane Blais, Mezzosopran. Sie treten gemeinsam als „LeDuo“auf und bieten Klassik und Komik-Vorstellungen an, u.a. auf der MS Deutschland. Spontan fragte Frau Linke den Dirigenten, ob sie auf dieser Bühne ein Stück vortragen dürften. Der Maestro war sofort einverstanden und so kam es, dass zum ersten Mal seit 20 Jahren deutsche Künstler im teatro amazonas auftraten. Wir hörten „Das Blumenduett“ aus der Oper Lahmé von Leo Delibeg, begleitet von Thomas Müller am Klavier. Welch eine Akustik! Welch ein Erlebnis!

Montag, 22. Februar 2010

17.02.2010 Auf See






Man meint, das könnte langweilig sein oder auch pure Erholung. Das ist aber beides nicht so recht zutreffend. Wenn man nicht aufpasst, kann man ganz schön in Stress geraten. Nach dem Frühstück geht es um 10.00 zum Vortrag (Informationen über unsere nächste Staion), um 12.30 Mittagessen, das Gedächtnistraining und den Kreativkurs sparen wir uns, dafür den Vortrag über Schokalde und Kakao sowie die Vernissage mit Udo Lindenberg (natürlich mit Hut und Sonnenbrille, sonst aber ganz nett und seiner neuen LikorelleMaltechnik - mit Likör!); abends nach dem Abendessen Klarinettenkonzert mit Sabine Meyer und Trio di Clarone. Nach einem Rundgang auf dem Oberdeck sinken wir ermattet in unsere Kojen.

Samstag, 20. Februar 2010

14.02.2010 Auf See







Zu meinem Ehrentag haben wir uns zwei Plätze im Restaurant VIER JAHRESZEITEN“ reserviert. das kostet nichts extra, hat aber einen festlicheren Rahmen. Schon allein weil es kleiner ist, zwei Decks höher liegt und das Personal anscheinend in Italien ausgebildet wurde. Die Menüs sind etwas extendiert worden. DieTagesmenüs gefällig? Bitte sehr:



Mango-Lassi
( als Gruss aus der Küche )

Klassisches Menü:
Mousse vom Parmaschinken an Orangenreduktion
Rotkohl und Radieschensalat
Kraftbrühe vom Rind mit Taubencarpaccio
Duett von Jakobsmuscheln und Langustenschwanz an Vanilleschaum mit Schwarzwurzelragout
Erdbeersorbet mit Prosecco
Gebratener St. Peterfisch an Weißweinschaum
mit glasierter Rote Bete, Spargelspitzen und Safran-Graupenrisotto
oder
rosa gebratenes Straußenfilet an Marsalasauce
mit gebratenen Schlupfnudeln und Speckbohnen a la Creme
Im Wantan gewickelter Blue Stilton an Aprikosen-Thymianchutney
Parfait vom Früchtetee an Mandarineneiscreme
auf einer karamellisierten Apfelcreme und Pistazienpesto

ODER

Spezialitäten Menü

Meerefrüchteterrine an Avocadocreme und pikantem Paprika-Couscous-Salat

Champagner Senfsüppchen mit Trüffelcroutons

PASTA AL POMODORO

Spaghetti mit getrockneten Tomaten

Frühlingslauchringen und Permesan

Erdbeersorbet mit Prosecco

VITELLO DE CERDO

Gebratene Kalbsfiletmedaillons an Steinpilzsauce

mit Käsespätzle, Karottengemüse und Romanesco

Internationale Käseauswahl

Kaffeemousse an Vanille-Eiscreme

mit lauwarmer Birnenmarmelade und Pinienkerne


Natürlich ist es möglich, sich sein Wunschmenü aus beiden Vorschlägen zusammen zu stellen.

Das vegetarische Menü haben wir an diesem Abend nicht beachtet.

Wir erschienen pünktlich um 19:00 Uhr, das Restaurant verlassen haben wir um 23:00 Uhr.

Danke, „Deutschland“.

( Hallo Heiner !)



Mehr gibt es von diesem Tag nicht zu berichten.

Donnerstag, 11. Februar 2010

10.02. Buenos Aires











Mit dieser Blütenpracht wurden wir hier empfangen. Ich stelle das Bild jetzt nur hier hinein, um Euch ein bißchen neidisch zu machen. Ansonsten: es ist wirklich heiß und schwül hier, 30 Grad. In den Bussen während der Stadtrundfahrt, in den Restaurants und im Schiff merkt man allerdings nichts davon.

Der Hafen bedient Passagier- und Containerschiffe und Fähren gleichermaßen. Im Hafen ist „Gehverbot“, d.h. vom Terminal zum Schiff müssen wir Pendelbusse nehmen. Sie pendeln uns 5 Minuten lang vorbei an Containern, manchmal „6 hoch“ gestapelt, Vancarriern, Container-LKWs, Kreuzfahrern aus Holland und USA - u.z. richtig großen - und Fähren über ein riesiges Areal zu unserem Schiff. Kreuzfahrtromantik kommt da nicht so recht auf. Aber das kann ja noch werden.



Buenos Aires ist eine sehr europäische Stadt. Großzügig und praktisch angelegt, sauber und mit recht vielen Bäumen an den Straßen. Praktisch, d.h.nach 2 - 3 „normalen“ Straßen folgt immer eine breitere und das sind dann immer 100 m Entfernung, das gilt auch für die Querstraßen. Auf den Straßenschildern stehen an den Ecken die „von“ und „bis“ - Hausnummern. So weiß ich , wenn ich etwa bei Straßenecke 100 bin und zu Hausnr. 435 möchte, dass ich noch 335 m zu gehen habe. Diese Straßenschilder erzählen noch viel mehr. Sie sagen, ob es sich um eine der vielen Einbahnstraßen handelt, und wenn ja, in welche Richtung der Verkehr fließen soll und wer das Schild gesponsort hat. Solche Dinge stehen nicht in den Reiseführern, Wohl aber Plätze, Denkmäler, Friedhöfe, Straßen, Kirchen und andere Gebäude. Deswegen beschreibe ich die hier nicht.

Zur Begrüßung zu diesem Reiseetappenstart gibt die Reederei in einem Loft-Restaurant ein Essen aus, natürlich arg. Steak ( 250 g, mind. ) und dazu hiesigen Carbernet-Sauvignon. Die richtige Einstimmung, denn beides war bester Qualität.

Danach das „Einschiffen“, d.h. wir betreten das Schiff und erhalten dort im Tausch gegen unsere Pässe die Bordkarten in Scheckkartengröße. Unsere Koffer sind bereits in den Kabinen, die uns jetzt bekannt gegeben werden. Natürlich sind wir ein wenig aufgeregt, wie sind die wohl.“ Komfort“ heißt unsere, ist 13,5 qm groß, hat ein Fenster ( nein, kein Bullauge, sondern viereckig ), eine schöne Nasszelle, ein Bett und ein Sofa, dass abends zu einem Bett umgebaut wird von Jennifer, unserer Kabinenstewardess aus Caracas und mit asiatischer Abstammung. Sie ist sehr nett und freundlich. Die Schränke nehmen unsere Kleidung auf. Nun ist sie für die nächsten Wochen „unsere“ Kabine und wir werden uns einleben. Ganz schwer wird es uns nicht fallen.

Apropos Einstimmung, ich muss mich natürlich auch erst „Einschreiben“ für diesen blog. Wenn es also am Anfang noch ein wenig holperig und langweilig ist, bitte ich um Nachsicht.

Donnerstag, 4. Februar 2010

26.02. 2. Bericht Horn von Brasilien



Salvador:

Auf unserer Reise an der Ostküste Brasiliens entlang nach Norden sind wir am Horn Brasiliens angelangt. Zum Glück gibt es hier keine Piraten wie bei seinem Namensvetter in Ostafrika. Und ein Blick auf die Karte bestätigt unsere Vermutung, wir befinden uns im Augenblick näher zur Küste Westafrikas als zur Westgrenze Brasiliens. Überhaupt erinnert noch sehr viel an Afrika, insbesondere in Salvador, bis 1763 Hauptstadt Brasiliens und unsere jetzige Station.



Während der Zeit des Sklavenhandels war Salvador - ehemals Salvador da Bahia genannt - Hauptziel der Schiffe mit Afrikanern an Bord. Man kommt einfach nicht daran vorbei, diesen dunklen Punkt in der Geschichte Süd- und Mittelamerikas zu erwähnen. Der Erinnerung daran begegnet man auf Schritt und Tritt, obwohl Brasilien 1888 den Sklavenhandel verboten hat.

Salvador hat den größten Anteil von Schwarzen an der Bevölkerung Brasiliens. Afrikanischer Mystizismus, afrikanische Riten, afrikanische Religionen, in dieser Region sind sie noch am häufigsten zu finden, haben das Leben am stärksten beeinflusst. Z. B. kleiden sich die Frauen zu bestimmten Feiertagen (und neuerdings auch für die Touristen, um sich so gegen einen kleinen Obulus fotografieren zu lassen) mit herrlich bestickten Kleidern. Die breit ausladend gestalteten Hüften fallen sofort auf. In Afrika wird so von alters her die Fruchtbarkeit ausgedrückt. Dieser Brauch wurde mitgenommen

Der afrikanische Einfluss zeigt sich sogar in der Architektur einiger der zahlreichen und wunderschönen Kathedralen. Kirchen und Klöster. Diese wurden in der Barockzeit oder doch zumindest im Barockstil erbaut. Es sollen 365 sein und es gibt einen Punkt, von dem aus zehn Kirchen mit einer Aufnahme fotografieren werden können.Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich in der ciudad alta, der Oberstadt. Die UNESCO hat sie zum Weltkulturerbe erklärt und finanziert so die Restaurierung und den Erhalt mit. Es sind jedoch weitere riesige Anstrengungen erforderlich, um alle Bauwerke in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Von außen, denn innen bieten sie auch heute immer noch eine Pracht und goldene Herrlichkeit, die ihresgleichen sucht. Auch wer dem katholischen Glauben nicht sehr nahe steht, wird diese aufwändige Gestaltung der Altäre, Seitenschiffe und Kapellen einfach bewundern müssen. Es sind beeindruckende Kunstwerke.

Auch in Salvador sprühen die Einwohner vor Lebensfreude. Der Karneval wird in den Straßen gefeiert. Er soll der lauteste und ausgelassenste sein. Anders als in Rio ziehen die Menschen durch die Stadt, begleitet und aufgepeitscht von Musikgruppen mit ihren trios electricos, Lautsprecherbatterien auf LKWs. Miterlebt haben wir ihn nicht, denn wir sind erst am Tag nach Aschermittwoch angekommen und können nur noch beobachten, wie Tribünen abgebaut und Straßen gereinigt werden.

Bis zu 50000 Menschen gelangen täglich mit dem charakteristischen Aufzug Elevador Lacerda in den oberen Stadtteil (einfache Fahrt 15 Centavos = 0.06 €). Eine in Serpentinen angelegte Straße, die die 70 m Höhenunterschied auch überwindet, benutzen wegen der Hitze nur Fahrzeuge. Unten erstreckt sich etwa 300 m breit die Ciudad baixa, die Unterstadt, mit dem Hafen, vielen Banken und dem Mercado Modelo, der alten Markthalle. Sie dient jetzt nicht mehr dem Handel mit Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Auf zwei Etage in dem alten Gebäude und auf dem Vorplatz haben seit einiger Zeit Händler ihre Stände aufgebaut und versuchen, Schmuck, Hängematten, Puppen, Gewürze, Stickerein, Musikinstrumente und Getränke an die Frau, den Mann und vor allem an den Touristen zu bringen. Eine Rentnerband mit Akkordeon, Schlagzeug, Gitarre, Tamburin und Gesang erspielt sich ein Zubrot. 20 m weiter knattert ab und zu ein Dieselmotor, mit dem eine junge Frau Zuckerrohr auspresst und den Saft anbietet.

Von Oktober bis April ist Regenzeit. Je näher wir dem Äquator kommen, desto feuchter wird es. Wir sind deshalb und weil sich einige dunkle Wolken am Himmel zeigten, mit Regenschirm unterwegs zur Stadtbesichtigung gewesen. Sind wir deshalb trocken geblieben?

Natal:

Er ist wirklich der Größte - amtlich vermessen und auch im Guiness Buch der Weltrekorde registriert. Er ist ungefähr 110 Jahre alt und bedeckt eine Fläche von 8500 qm. Sein Name? Anacardium occidentale oder Nierenbaum. Bei uns wächst er nicht. Es ist ihm wohl zu kalt, denn seine Heimat sind die amerikanischen Tropen. Wohl aber kennen und lieben wir seine Früchte, die Cashew-Nüsse. Unser Weltmeister-Baum steht in der Nähe von Natal und produzierte für die gerade abgeschlossene Ernte 80.000 Nüsse an eben so vielen Cashewäpfeln, alle per Hand geerntet. Wir haben diesen Cashewbaum - hier wird das caju geschrieben - nicht nur von außen gesehen, sondern sind in ihm regelrecht spazieren gegangen. Um seine Ausmaße überblicken zu können, wurde eigens ein Turm errichtet, von dem aus ich auch das Foto gemacht habe.

Fortaleza:

Der Küstestreifen von Natal bis Fortaleza und darüber hinaus ist bekannt für seine langen, breiten Sandstrände. In Rio haben wir es wegen des engen Zeitplans nicht geschafft, die Buchten zu besuchen. Jetzt aber lassen wir uns an den Atlantik fahren. Kilometerlang erstreckt sich feiner, weißer Sand, auf der einen Seite begrenzt vom Wasser, auf der anderen von Hotels und Restaurants.

Auf der Fahrt dorthin übt Maria mit uns im Bus noch schnell portugiesisch: bom dia, por favor, obrigada (wenn Frauen sich bedanke ), obrigado (für die Männer), a conta und cerveja ( sprich: ßerwescha ), die wichtigsten Vokabeln eben.

Und dann geht es los ins brasilianische Strandwochenende: schnell werden die Plätze unter den Sonnenschirmen belegt, um sofort ans Wasser zu laufen, dessen Temperatur gefühlt werden muss. Sie ist etwas niedriger als die Lufttemperatur, geschätze 27 Grad, und verspricht Abkühlung. Also, hinein in die Atlantikwellen, sie sind hier 1 - 2 m hoch. Danach beobachten wir die ankommenden Brasilianer. Sie wollen den arbeitfreien Sonntag genießen.

Und sofort zeigen sich auch Händler, nicht aufdringlich,aber immer präsent.

Sie bieten Getränke an und Eis, Kokosnüsse, Hüte, T-Shirts ,Sonnenbrillen, Pareos, Schmuck, ja sogar camarones, diese wohlschmeckenden Krabben. Das ist nicht anders als in Südeuropa, uns kommt es aber weniger aufdringlich vor.



Ein Händler wird zum großen Glückspilz. Er erscheint mit etwa 50 Bikinis auf seinen linken Arm gezogen und weiteren 50 in einer durchsichtigen Plastiktasche. Zunächst eine, dann vier Damen unserer Gruppe interessieren sich für seine Bikinis. Und jetzt läuft er zu Hochform auf. Ein Oberteil hält er sich zur Demonstration selbst an. Alle werden gleichzeitig beraten,: „Diese Farbe steht Dir am Besten“, „das ist das Topmodell der Saison“, „klar passt das Unterteil“, „probier einfach an“.Man spricht unterschiedliche Sprachen, aber man versteht sich.

Eine Stunde dauert dieses Vergnügen. Dann zieht der Hauptdarsteller - um 5 Bikinis leichter, aber mit gutem Tagesumsatz - naja, abzüglich eines kleinen Mengenrabatts - von dannen. Alle sind zufrieden, der Verkäufer, seine Kundinnen und die Zuschauer auch.

Und ich meine, in seinem Gesicht ein triumphierendes Lächeln zu erkennen. „Die weißen Touristinnen“, heißt das wohl, „haben doch keine Chance gegen mich. Ich bin ein Mann, ein brasilianischer Mann!“

25.02. 1. Amazonasfahrt



Die Reederei hat die Reise, die wir miterleben, in mehrere Etappen eingeteilt, Buenos Aires bis Manaus, Manaus bis Caracas, Caracas-Lissabon, Lissabon-Civitavecchia. Die erste Etappe geht übermorgen zu Ende. deswegen verabschieden sich heute Abend die Künstler.Galerist Lindenberg meint, dass er bisher nur als Stricher in Erscheinung getreten sei und deshalb zum Abschied noch einen zwitschern möchte. Er singt, Pankow natürlich, aber auch eine Premiere, zusammen mit seinem Freund, einem Klavierspieler. Professor Sabine Meyer, Klarinetten-Weltmeisterin, gefällt sich nochmals mit dem Vortrag eines brasilianischen Stücks, zusammen mit ihrem Trio und und wir koennen noch einmal Diane Blais + Annette Linke, bekannt als LE DUO, geniessen ( Dazu morgen mehr!!! ). Olivia Molina verabschiedet sich mit zwei bekannten südamerikanischen Liedern.

Wir sind auf dem Amazonas unterwegs in Richtung Westen nach Manaus, das sind 1100 sm, gut 2000 km also. Er sei nicht der längste, wohl aber der großartigste Fluß der Welt, sagt Alexander v. Humboldt über ihn.Das wollen wir in den nächsten Tagen erfahren. An den Ufern sehen wir flaches Land, meist bewaldet, manchmal Weideland, nicht immer ist darauf Vieh zu sehen. Nur selten musste sich der Amazonas hier durch Hügel oder niedrige Berge fressen, steile rote oder gelbe Abrisskanten zeigen sich dann.

Der Fluss schleppt auf dem Wasser Gras, Zweige, Äste und manchmal auch Bäume mit, im Wasser viele Sedimente. Daher hat es seine Farbe, gelb-ocker im Sonnenschein, dunkel, grau-bis fast braun im Schatten. Trübe ist es immer.

DasWetter meint es gut mit uns, überwiegend riesige weiße Cumulus-Wolken, sonnige Abschnitte, selten Schauer, und wenn, von kurzer Dauer.Die Temperatur liegt um die 30 Grad, Luftfeuchtigkeit 75-80 %. Tropenregen, der uns für mindestens einmal täglich angekündigt worden war, haben wir noch nicht erlebt. Hoffentlich lernen wir ihn nicht kennen, wenn wir gerade im Manaus unterwegs sind. Nachts allerdings sind immer irgendwo am Horizont Wetterleuchten oder ferne Gewitter zu sehen.

23.02. Belem















Was für ein Unterschied zu Belem, schon im Mündungsgebiet des Amazonas gelegen. Reich, sehr reich geworden ist „Bethlehem“ in den Jahren 1870 - 1920. Grund dafür: der Kautschukbaum zusammen mit der Technik, den Saft des „tränenden Baumes“ zu bearbeiten. Das hatten die Europäer bei den Indianern abgeguckt. Das Ende folgte dann jedoch jäh und schnell: ein Engländer hatte Samen des Baumes nach London gebracht.

Nach dem Keimen wurden die Pflanzen in Malaysia angebaut. Damit waren Monopol und Reichtum dahin. Tja- so läuft das manchmal.Heute streiten sich die Leute hier, ob es nicht doch gut war, dass das Abholzen des Regenwaldes für den Anbau der Kautschukbäume gestoppt wurde.

Belem ist herunter gekommen. Sein ehemaliger Reichtum ist nur noch selten zu erkennen.

Die Attraktion, nicht nur für die Touristen, ist der Markt am Hafen, Ser o peso ( Sieh das Gewicht ). Das ist keine Warnung an die Käufer, darauf zu achten, dass man nicht über’s Ohr gehauen wird. Früher wurde die Standmiete nach Gewicht berechnet und ser o peso war eine Aufforderung an die ankommenden Händler, auf die Waage zu achten.

Die beiden ehemaligen Marktgebäude werden nur noch für den Fischhandel benutzt. Der war bereits vorbei,als wir ankamen, sodass wir den angeblichen Gestank nicht mehr mitbekamen und die Geheimtipps (Taschentuch mit Kölnisch Wasser tränken und vor die Nase halten) nicht mehr zu beachten brauchten.Zunächst gingen wir durch den Bereich mit den Obst- und Gemüseständen mit Früchten im Angebot, die wir noch nie gesehen hatten. Aber auch Bekanntes war zu finden, Möhren, Limonen,Tomaten, Rote Bete, Kakaobohnen wurden zum Trocknen auf Zeitungspapier ausgebreitet, Paranüsse in der Schale oder geschält.

Die nächste Abteilung war die lauteste: Lebendvieh, Hühner, Enten, Gänse bis hin zu Kanarienvögeln und weißen Mäusen.

Schließlich erreichten wir den interessantesten Bereich mit der Urwaldmedizin. Hier ist tatsächlich gegen Krankheiten aller Art ein Kraut im Angebot, oder es wird ein Gebräu dagegen gemischt oder von alten, „erfahrenen“ Frauen spontan vor Ort geheilt.

                                                                                                                                                                                                                
                                                                                                                                                                                                                    Jetzt muss ich ein bißchen kleiner schreiben, damit Christine das nicht liest. Ich habe mich hier heimlich mit einer beträchtlichen Menge VIAGRA NATURAL eingedeckt. So günstig komme ich wohl nie wieder an das Zeugs heran. (Hoffentlich übersteh ich das!! Chr.)

              












Diese Zone ist auch für zwielichtige Gestalten ein Paradies. Schon wieder ein Schiff mit ein paar hundert oder tausend naiven Touris im Hafen! Diese Nachricht verbreitet sich in Windeseile. Auch wir hören von kleinen Raubüberfällen, Tasche weg, Uhr, Sonnenbrille oder Fotoapparat gestohlen. Unser Gang durch den Markt war gründlich vorbereitet worden. man hatte einige Bodyguards engagiert, die sich auffällig-unauffällig immer in unserer Nähe zeigten.